Die Historiker haben ihr Urteil über Pius XII. geschrieben: Eugenio Pacelli war jener Papst, der angesichts des Holocausts geschwiegen hat. Das gibt, mehr oder weniger offen, selbst der Vatikan zu.
Der macht jedoch geltend, Pius XII. habe sich taktisch verhalten. Sein Schweigen habe es der Kirche auf der ganzen Welt ermöglicht, im Stillen sehr viel mehr Juden in ihren Kirchen und Klöstern zu verstecken, als dies im Fall von lauten Protesten möglich gewesen wäre. Das kann sein, doch solange Benedikt XVI. den größten Teil der Akten in der Causa Pius XII. unter Verschluss hält, sind die hehren Motive Pacellis nicht mehr als eine Behauptung.
Bei Seligsprechungen handelt es sich um eine interne Angelegenheit der Kirche, bei der kirchenrechtliche und religiöse Belange und Argumente entscheidender sind als politische. Das ist zu akzeptieren. Der Papst wiederum muss hinnehmen, dass ihm die Seligsprechung einer historisch so umstrittenen Figur wie Pius XII. als Sturheit und Zeichen mangelnder Sensibilität ausgelegt wird. Zumindest so lange, bis die Akten offengelegt werden.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.