Um diesen Job ist die Familienministerin nicht zu beneiden. Schon heute müssen 2,2 Millionen Menschen in Deutschland gepflegt werden, in zehn Jahren etwa drei Millionen. Schon heute werden zwei Drittel davon daheim betreut, meist auf eigenen Wunsch. Und schon heute lastet die Aufgabe oft auf Berufstätigen, fast immer den Frauen.
Es ist gut, dass Kristina Schröder sich mit ihrer Idee von einer gesetzlichen "Pflege-Teilzeit" der Sache annimmt - zumal der demografische Wandel ja nicht vom Himmel fiel. Für eine Ministerin genügt es aber nicht, sich zu freuen, dass alle Seiten applaudieren, weil sie das Problem erkannt hat. Sie muss tragfähige Lösungen ausformulieren - nicht nur vage Vorstellungen, mit denen sie scheibchenweise in Interviews herausrückt. Freilich liegt auf der Hand, wieso sich die Gestaltung hinzieht: Die Idee, halb zu arbeiten und halb zu pflegen, birgt reichlich Probleme.
Sie verlagert eine Aufgabe der alternden Gesellschaft zu Angehörigen, die ihr weder medizinisch noch physisch oder psychisch gewachsen sind. Sie forciert, dass (machen wir uns nichts vor) Frauen die Karriere zuerst für Kinder, dann für die Eltern aufgeben müssten. Sie ignoriert, dass Frauen oft in Minijobs arbeiten, dass man Geringverdienern den Lohn nicht kürzen kann, dass Eltern und Arbeit oft Hunderte Kilometer trennen. Sie vernachlässigt befristete Verträge, Kündigung, Konkurse. Es fehlt Geld für Pflegekräfte, die nach zwei Jahren dann wieder helfen müssen. Bei all dem sind Verbände, Wirtschaft, Parteien nicht mehr so einig. Dafür eine runde Lösung zu finden, ist kein leichter Job. Aber es ist der einer Regierung.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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