Ein wenig scheint es, als folge Polen dem deutschen Modell. Der Regierungschef hat sich - ähnlich wie gerade Angela Merkel - einen genehmen Präsidenten ausgesucht, und ihn dann nur mit größter Mühe durch die Abstimmungen gebracht. Bronislaw Komorowski siegte nicht, er kam gerade noch einmal davon.
Jaroslaw Kaczynski dagegen, der seinem verunglückten Bruder im Amt folgen wollte, hat in der Niederlage praktisch nichts verloren. Er kann sich nun wieder einer Rolle hingeben, in der er ohnehin glaubwürdiger agiert: der des Oppositionsführers.
Es brauchte einen Gegenspieler wie den sprunghaften Jaroslaw Kaczynski, damit der brave und blasse Parteisoldat Komorowski als politisch profiliert empfunden wurde. Doch einiges spricht dafür, dass er zum Präsidenten besser taugt als zum Kandidaten. Seine ausgleichende, Kompromisse suchende Art eignet sich nicht für Wahlkämpfe, sie ist aber eine recht nützliche Eigenschaft für ein Staatsoberhaupt.
In Berlin und in Brüssel jedenfalls wird man Komorowskis Sieg gern sehen; denn man erinnert sich noch gut der exaltierten Auftritte eines Lech Kaczynski.
Jetzt gehören Präsident und Premier der gleichen Partei an. Das ist von Vorteil angesichts des gewaltigen Reformbedarfs, der sich in den öffentlichen Haushalten, bei den Renten und im Gesundheitssystem aufgrund der bisherigen Vetopolitik im Präsidentenpalast angestaut hat.
Allerdings trägt, wer die ganze Macht auf sich vereinigt, auch die ganze Verantwortung. Plötzlich gibt es jetzt keinen Buhmann mehr, auf den sich Fehlschläge gefahrlos schieben lassen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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