Auf den ersten Blick ist Westerwelles Drohung nachvollziehbar. Sollte die internationale Gemeinschaft die geplante Afghanistan-Konferenz in London zu einer Truppensteller-Konferenz degradieren, muss dafür kein (Außen-)Minister verreisen. Zumal da die wichtigen Länder wie USA und Großbritannien längst angekündigt haben, wie viele Soldaten sie zusätzlich entsenden werden.
Verwunderlich an Westerwelles Vorstoß ist, dass die schwarz-gelbe Regierung bisher noch gar nicht gesagt hat, was sie als wichtiger Akteur bei dem Treffen in der britischen Hauptstadt erreichen will. Bisher hieß es dazu aus Berlin lediglich, die Ministerien bereiteten Ideen vor, mit denen vor allem der zivile Aufbau vorangebracht werden soll.
Merkel und Westerwelle sollten also erst einmal Ziele für die Mission definieren und sich dann dafür einsetzen. Das sind sie den Wählern und insbesondere den Bundeswehrsoldaten, den Verbündeten und den Afghanen schuldig. Sonst erhärtet sich durch Westerwelles Gepolter der Eindruck, Schwarz-Gelb spiele auf Zeit, um ein Scheitern des Treffens anderen in die Schuhe zu schieben.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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