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Kommentar: Pranger für Korrupte

Es gibt ein einfaches Mittel, gegen die Fangprämien vorzugehen: Die Kliniken sollten die Namen der Ärzte veröffentlichen, die Geld fordern. Deren Praxen wären zu Recht erledigt. Von Wolfgang Wagner

Wolfgang Wagner ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Wolfgang Wagner ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Wer ist an einer Bestechung schuld: Der, der das Geld annimmt, oder der, der es bezahlt? Es ist ein absurder Streit, den sich die Ärztefunktionäre und die Krankenhausträger da liefern. Mediziner verschachern ihre kranken Patienten an bedürftige Krankenhäuser - und die Lobbyisten debattieren darüber, wer denn nun dafür die größere Verantwortung trägt.

Statt entschlossen gemeinsam gegen Korruption vorzugehen, suchen sie auch noch nach Erklärungen für das verwerfliche Handeln. Die Kliniken verweisen darauf, dass die Ärzte an sie heranträten und gemeinsam Druck ausübten, der sie wirtschaftlich treffen könne. Statt darüber zu lamentieren, sollten sich die Häuser einfach anfangen zu wehren.

Die Ärzte wiederum klagen über das "Diktat der Ökonomie". Als ob dies ein Grund dafür sein könnte, sich illegal Vorteile zu verschaffen und Bestechungsgeld anzunehmen. Und wenn Deutschlands oberster Arzt Jörg-Dietrich Hoppe meint, angesichts der "zunehmenden Kommerzialisierung" hielten die Ehrenkodices nicht mehr, stellt er seinem Berufsstand ein Armutszeugnis aus. Dies würde bedeuten, im Gesundheitswesen ist kein Platz mehr für Ethik, weil es jeder nur noch aufs Geld abgesehen hat.

Es gibt ein einfaches Mittel, gegen die Fangprämien vorzugehen: Die Kliniken sollten die Namen der Ärzte veröffentlichen, die Geld fordern. Deren Praxen wären zu Recht erledigt. Und Ärzte sollten die Kliniken nennen, die ihnen Geld anbieten. Mit deren Ruf wäre es auch vorbei. Die Funktionäre müssen die Bestechung bekämpfen, statt sie zu erklären. So viel Moral sollte sein.

Autor:  Wolfgang Wagner
Datum:  3 | 9 | 2009
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