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Kommentar: Radikale in der Mitte

Je näher der Wahltag, desto lauter geht es zu. Das hat einen Vorteil: In der Hitze der Redeschlacht zeigen auch die Hüter der heiligen Mitte, wie radikal sie werden können. Von Stephan Hebel

Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Je näher der Wahltag rückt, desto lauter und erregter geht es zu. Das hat einen unschätzbaren Vorteil: In der Hitze der Redeschlacht zeigen uns auch die Hüter der heiligen Mitte, wie radikal sie werden können.

So hat Guido Westerwelle jetzt alle Irritationen beseitigt, für die er jüngst gesorgt hatte, als er sein Herz für die Hartz-IV-Empfänger entdeckte. Er meinte damals wirklich nur die, die sich ein Häuschen erschuftet hatten. Dass sie es behalten dürfen, ist seine berechtigte, aber leider einzige Sorge. Mit dem Rest treibt der FDP-Chef das üble alte Spiel: Die Minderheit der "Faulen", die zu unrecht Leistungen beziehen, wird rhetorisch vergrößert, bis sie zum Argument gegen den ohnehin schon abgemagerten Sozialstaat taugt. Westerwelle sagt, der Sozialstaat müsse "treffsicherer" werden. Das passt: Sein "Sozialstaat" ähnelt einer Waffe .

Dagegen Jürgen Rüttgers! Da er bekanntlich dem deutschen Proletariat nahe steht, greift er anders als Westerwelle nicht die Vorurteile gegen die "Faulenzer" auf, sondern diejenigen gegen Ausländer. Der Rumäne kommt morgens zu spät und geht abends zu früh, um anständige Handys zusammenschrauben zu können.

Rüttgers´ nordrhein-westfälischer CDU-Parteifreund, der eigentlich kluge Integrationsminister Armin Laschet, hat seinen Ministerpräsidenten mit einem sehr dummen Satz verteidigt: "Wer Jürgen Rüttgers Rassismus vorwirft, vergiftet das Klima für Integration." Irrtum! Wer diesen Rassismus nicht beim Namen nennt, vergiftet das Klima. Und wer die Verunglimpfung von Minderheiten oder Fremden nicht stoppt, versündigt sich am sozialen Frieden insgesamt. Viel Spaß mit Schwarz-Gelb!

Autor:  Stephan Hebel
Datum:  6 | 9 | 2009
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