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Kommentar: Reue ist nur der erste Schritt

Die Bischöfe haben auf ihrer Vollversammlung einiges zu besprechen. Die interessanteste Frage: Sind sie bereit, sich selbstkritisch auch den kirchlichen Strukturen zuzuwenden, die Missbrauch an Schutzbefohlenen begünstigen? Von Joachim Frank

Joachim Frank ist Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.
Joachim Frank ist Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR/Kraus

Die Tonart bestimmt den Charakter des Stücks. Was in der Musik gilt, passt auch auf das, was Erzbischof Robert Zollitsch zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche gesagt hat. In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme hat sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz auf zwei Motive beschränkt. Er hat sich bei den Opfern entschuldigt, und er will die Prävention verbessern.

Der Freiburger Erzbischof ist ein nüchterner Typ, kein Mann für eine öffentliche Zerknirschungsshow à la Tiger Woods. Schon eher passt die Form der Beichte zu seinem öffentlichen Bekenntnis vom Montag. Im Beichtstuhl hätte er danach zu hören bekommen: "Brav, mein Sohn, du zeigst dich reuig, und du bist bereit zur Umkehr!" Trotzdem könnte Zollitsch noch nicht mit der Absolution für seine Kirche rechnen. Denn bislang ist nicht klar, wie Besserung und Wiedergutmachung aussehen sollen, die von jedem Sünder zusätzlich gefordert sind.

Bis die Bischöfe einen entsprechenden Bußkatalog vorlegen, haben sie auf ihrer Vollversammlung also noch einiges zu besprechen. Die interessanteste Frage wird sein, ob die Bischöfe bereit sein werden, sich selbstkritisch auch den kirchlichen Strukturen zuzuwenden, die solche Verbrechen an Schutzbefohlenen begünstigen. Am Ergebnis wird sich zeigen, wer in der deutschen Kirche den Ton angibt: der Vorsitzende Zollitsch, der - wie manche andere - auf Selbstkritik und Aufklärung setzt. Oder doch eher Kirchhof-Apologeten wie Gerhard Müller (Regensburg) und Walter Mixa (Augsburg), für die am Ende immer alle anderen Schuld haben, bloß nicht die Kirche selbst.

Autor:  Joachim Frank
Datum:  23 | 2 | 2010
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