Als Jürgen Rüttgers sich vor Jahren das Etikett vom "Arbeiterführer" anheften ließ, dachte er bestimmt nicht an Trauerarbeit. Seit dem 9. Mai aber musste er sich damit vertraut machen, dass die schwere Niederlage seiner CDU ihn nicht nur den Ministerpräsidenten-Posten in Nordrhein-Westfalen, sondern auch die führende Rolle in seiner Partei kosten würde. Die überraschende Geschlossenheit, mit der sich die CDU hinter dem Verlierer versammelt hat, mag eine willkommene Gelegenheit gewesen sein, das Unvermeidliche zu verdrängen und von einer großen Koalition zu fantasieren.
In der harten Realität ist Rüttgers zuletzt nicht viel mehr gewesen als Faustpfand und Platzhalter. Die CDU ließ ihn Gespräche mit der SPD führen, die diese von vornherein scheitern lassen wollte. Egal ob die Union Rüttgers am Ende für eine Koalition geopfert hätte, die SPD hätte ohnehin nicht unter einem CDU-Ministerpräsidenten mitregieren können.
Innerparteilich wiederum sind die Männer hinter Rüttgers noch nicht so gut sortiert, als dass sie ihn sogleich hätten stürzen können. Keiner von ihnen ist der unangefochtene Erbprinz in Fraktion und Partei. Armin Laschet ist zu sehr angegrünter Liberaler, Andreas Krautscheid zu sehr Machtmechaniker, Karl-Josef Laumann zu sehr der Frontmann der Sozialausschüsse. So neutralisieren sie einander. Eigene Ansprüche können sie nur mit Gegengeschäften (wenn ich was werde, wirst du auch was) durchsetzen. Der Fraktionsvorsitz ist der Posten, der jetzt als erstes zu vergeben ist und von dem sich das Gefüge der künftigen Parteispitze ableitet. Rüttgers - Trauer hin, Trauer her - hat damit nichts mehr zu tun.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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