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Kommentar: Rösler und die "Gutmenschen"

Wer das Wort "Gutmensch" benutzt, offenbart, wes Geistes Kind er ist. Für einen FDP-Vorsitzenden ist das unwürdig.

Falsche Wortwahl: Philipp Rösler.
Falsche Wortwahl: Philipp Rösler.
Foto: dpa

Es gibt Wörter, die sind wie Wegmarken. Sie geben eine Richtung vor, oder anders gesagt, sie offenbaren die Ansichten desjenigen, der sie benutzt.

Zwei Beispiele: Wenn Lenin über die "Bourgeoisie" geschrieben hat, dann immer mit Ziel, sie zu überwinden. Ein Investmentbanker "arbeitet" nicht, er performt, er managt.

Es gibt also Wörter, die verraten, wes Geistes Kind man ist - oder bei wem man sich anbiedern möchte. Gutmensch ist solch ein Wort.

Der Duden bezeichnet damit erstmals im Jahr 2000 einen „[naiven] Mensch[en], der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o.ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält, sich für die Political Correctness einsetzt". Gutmensch ist also kein Nazi-Begriff. Aber einer, der von Rechten benutzt wird.

Audio

Rede von Rösler beim Dreikönigstreffen (2012)

Fischt Rösler am rechten Rand?

Man schaue nur auf die Hetzer gegen "Gutmenschen", die sich auf der Website Politically Incorrect tummeln. In dem Forum von Stefan Herre, das vom Verfassungsschutz auf verfassungsfeindliches Verhalten beobachtet wird, wird der Begriff "Gutmensch" gerne benutzt, um über Menschen mit weltoffenen Ansichten zu lästern.

Wenn der Vizekanzler und FDP-Vorsitzende Philipp Rösler verbal gegen "Gutmenschen" vorgeht, ist das befremdlich. Schlimmer, Rösler macht sich die Rhetorik der neuen Rechten zu eigen.

Es ist sicher zur Zeit nicht leicht für ihn und seine Partei, die wegen ungehaltener Wahlversprechen auf die Zweiprozentmarke herabgesunken ist. Dass Rösler sich einer rechten Rhetorik bedient, vielleicht, um am rechten Rand zu fischen, ist unwürdig. Besonders für den FDP-Vorsitzenden, der Liberalität, die Weltoffenheit, im Parteinamen trägt.

Autor:  Florian Leclerc
Datum:  6 | 1 | 2012
Kommentare:  43
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