Das Fünf-Parteien-System schlägt kurz vor den Landtagswahlen am Sonntag Kapriolen. Da streitet sich die Linke auf offener Bühne darüber, ob ihr Spitzenkandidat in Thüringen, Bodo Ramelow, bei einem möglichen Wahlsieg am Sonntag das Amt des Ministerpräsidenten beanspruchen darf - und damit ziemlich sicher dem ungeliebten CDU-Landesvater Dieter Althaus eine weitere Amtszeit bescheren würde. Oder ob Ramelow einer gerupften Nicht-mal-20-Prozent-SPD den Vortritt ins Erfurter Amtszimmer lassen kann - und damit der drittstärksten Partei im "grünen Herzen Deutschlands" in den Chefsessel verhilft.
Bislang schien Rot-Rot nur für die Sozialdemokraten ein Problem zu sein. Seit SPD-Chef Franz Müntefering nun aber dem Spitzenkandidaten Christoph Matschie selbst für den Fall Carte Blanche gegeben hat, dass die Linke deutlich vor der SPD liegen würde, scheint Rot-Rot keinen Sozen mehr zu schrecken.
Umso lauter klappern aber die Zähne im dunkelroten Lager. Auf keinen Fall, so PDS-Ikone Gregor Gysi, werde die Linke auf den Ministerpräsidentensessel verzichten. Niemals einem Juniorpartner SPD den Steigbügel zur Macht halten. Seine Philippika lässt sich reduzieren auf die Parole: "Regieren - nicht mit uns!"
Dabei gibt es in der Thüringischen Linken, die noch die PDS ist, eine Menge Leute, die Interesse daran haben, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Vier Wochen vor der Bundestagswahl passt dies aber einer auf Fundamentalopposition gepolten Führung der Linken im Bund gar nicht ins Konzept. Mal sehen, ob Gregor Gysis Machtwort am Montag noch gilt.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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