Der Mann sei „nicht satisfaktionsfähig“. Solche und ähnliche Plattitüden bekommt man zu hören, wenn man in der Finanzbranche um eine Stellungnahme zu den xenophoben Thesen des Bundesbankvor-stands Thilo Sarrazin anfragt. Offiziell will ganz offenbar niemand gegen Sarrazins menschenverachtende Thesen Stellung beziehen, obwohl man sich einig ist, dass sie Gift für den Ruf des internationalen Finanzplatzes sind.
Was meinen die Herren in den grauen Anzügen damit genau? Als nicht satisfaktionsfähig galt in der Ständegesellschaft, wer nicht das Recht hatte, Waffen zu tragen. Ihn zum Duell aufzufordern, wäre unehrenhaft gewesen. Im übertragenen Sinn halten die Banker Sarrazin also offenbar für so unterbelichtet, dass es ihnen unehrenhaft erscheint sich dazu zu äußern.
Was die intellektuelle Beurteilung Sarrazins betrifft, treffen sie ins Schwarze. Doch das dürften sie nicht auf sich beruhen lassen. Andernfalls muss man sich ernsthaft Sorgen über den Zustand des krisengeschüttelten Finanzsystems machen. Immerhin ist der Hobbyautor Sarrazin im Vorstand der wichtigsten Notenbank der Eurozone für das Risikocontrolling zuständig. Ein solches Amt kann doch nicht ernsthaft jemand bekleiden, den in der Finanzbranche niemand mehr ernst nimmt.
In der Krise hat die Gesellschaft die Banken mit Steuermilliarden gerettet. In Euro und Cent werden die Finanzinstitute das vermutlich nie zurückzahlen können. Und jetzt lassen sie die Gelegenheit ungenutzt verstreichen, zumindest moralisch etwas an die Gesellschaft zurückzugeben.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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