Alle Welt streitet derzeit eifrigst über die umstrittenen Thesen des Populisten Thilo Sarrazin. Und just spaltet ein Arzt im osthessischen Wächtersbach seine Patientenschaft in zwei Klassen: in diejenigen muslimischer und diejenigen nicht-muslimischer Herkunft.
Der Mediziner redet sich nun heraus, es sei ihm nur um „Spielregeln“ gegangen, damit der Praxisalltag auch mit muslimischen Patienten funktioniere. Man muss sich aber die Aushänge in seinem Sprechzimmer einmal genauer anschauen. Über Kopftücher und Sprachkenntnisse lässt sich streiten. Aber Regel Nummer drei ist an Unverfrorenheit kaum zu überbieten: „Kinderreiche islamistische [sic!] Familien mit mehr als fünf leiblichen Kindern werden in dieser Praxis nicht behandelt.“ Abgesehen davon, dass der Arzt, hoffentlich aus Unkenntnis, islamistisch mit islamisch gleichsetzt: Welche Stereotypen werden da vermittelt! Sind nur „kopftuchtragende Mädchen produzierende Muslime“ (Sarrazin) kinderreich? Lärmen und toben nur deren Kinder?
Es hat den Anschein, als seien die Sarrazinischen Thesen im doppelten Sinne des Wortes in der Praxis angekommen.