Ein Gefangener an der Hundeleine, perverse Erniedrigungen, entfesselte psychische und physische Folter - begangen von US-Soldaten in Abu Ghraib. Die Bilder gingen um die Welt und machten ein Vorgehen im "Krieg gegen den Terror" sichtbar, das zur "moralischen Entgleisung" Einzelner herabgestuft wurde. Abu Ghraib oder Guantánamo aber sind Orte untilgbarer Schande für die USA. Spät benennt nun der US-Senat mit Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Strippenzieher - nein, Schreibtischtäter - im direkten Umfeld des Präsidenten.
Der republikanische Präsidentschaftskandidat McCain, selbst Folteropfer im Vietnamkrieg, spricht von einem "unentschuldbaren Zusammenhang" mit den Verhörmethoden "unserer Feinde" . Er meint das Training von US-Soldaten für Folter in Gefangenschaft. Vorbild: die Methoden Chinas im Koreakrieg. Diese "Trainer" mit "Spezialkenntnissen" stellte das Pentagon den Soldaten für Verhöre zur Seite. Die"Methoden", mit denen von Irak bis Guantánamo Gefangene geschunden wurden, hatten also im Wortsinn Methode. Der Versuch, sie allein aufs Konto der Soldaten zu schieben, war Vertuschung der Verantwortung ganz oben.
Ist die Zeit der Aufarbeitung gekommen? Da wären nicht nur einige Sündenböcke auszudeuten, sondern die Schuld einer Machtclique auszuleuchten. Rumsfeld ist 2006 aus dem Amt geschieden. Condoleezza Rice hat vorbeugend Verantwortung für die Besetzung Iraks übernommen. Die Verheerungen, die unter Präsident Bush angerichtet wurden, sind damit kaum final erfasst. Da steht ein Amerika am Anfang, das nun mit seiner Zukunft beschäftigt ist.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
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