Der deutsche Personalausweis ist eine Institution. In den USA etwa gibt es kein vergleichbar sicheres Dokument. Entsprechend oft besorgen sich dort Betrüger fremde Sozialversicherungsnummern, um in deren Namen Schindluder zu treiben. Gefälschte Führerscheine, mit denen sich vor allem Jugendliche als volljährig ausgeben, sind allgegenwärtig. Der deutsche Personalausweis galt dagegen als vorbildlich, vor allem den Deutschen selbst.
Dieser gute Ruf wird nun aufs Spiel gesetzt. Man kann darüber streiten, ob computerlesbare Fotos und Fingerabdrücke auf den Pass gehören. Unbestreitbar nicht auf ein behördliches Dokument gehört aber ein Chip, der Internet-Geschäfte erleichtert. Mit Staatsgeld wird diese Funktion den Deutschen ab November dennoch untergejubelt. Dass die dazugehörige PIN geknackt werden kann, findet das Innenministerium unbedenklich, weil der Chip immer noch sicherer sei als bisheriges Online-Banking. Und wer sich fürchte, müsse die Funktion ja nicht nutzen.
Diese Argumentation hat jedoch zwei Schwächen: Zum einen wird jeder Personalausweis den Chip tragen – also auch die computerlose Oma dreimal mehr dafür zahlen als bisher. Diese Art der Querfinanzierung eines Anschubprogramms für Online-Geschäfte und Service-Wünsche Dritter ist eine Frechheit. Vor allem aber sollte der Staat Daten, die nur Behörden etwas angehen, nicht allein deshalb digitalisieren und mit kommerziellen Funktionen abspeichern, weil das technisch möglich ist. So macht er ein Dokument, das hohes Vertrauen genießt, ohne Not angreifbar. Selbst wenn es vorerst nur um einen Imageschaden geht.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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