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Kommentar: Schmierige Geschäfte

Mit Appellen unserer Politiker oder Konzernlenker werden wir die weltweite Korruption nicht eindämmen - schon gar nicht, wenn hinter der Bühne die Bestechungsgelder fließen. Von Stephan Hebel

Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

"Ihr guter Stern auf allen Straßen" hieß mal ein Werbespruch für Mercedes-Autos. Aber dieses Image muss man sich als guter deutscher Konzern natürlich immer neu erarbeiten. Wir dürfen heute sicherer sein denn je zuvor: Die Firma Daimler, oder wie sie im Lauf der Jahrzehnte sonst noch hieß, hat keine Mühen gescheut für ihren weltweiten Erfolg. Und keine Kosten, wie sich zeigt.

Die US-Behörden haben ermittelt, dass der gute Stern über den Amtszimmern korrupter Beamter in aller Welt schon leuchtete, bevor auch nur eine einzige Limousine den Besitzer gewechselt hatte. Als hätten sie den Bestechlichkeits-Index von Transparency International vom schlimmen Ende her aufrollen wollen, schmierten die Manager von Irak (Platz 176 von 180) bis Griechenland (Platz 71) oder Ungarn (46). Wenn Aufträge zu ergattern waren, war ein hochwertiges "Dankeschön" offenbar eingepreist. Und da eh alles käuflich ist, wird sich das Unternehmen wohl für 185 Millionen Dollar vom Gerichtsverfahren in den USA befreien.

Wir dürfen uns erstens freuen, dass es jenseits des Atlantiks ein paar gute Gesetze gibt und dazu unbestechliche Ermittler, die den dort börsennotierten Unternehmen auf die Finger schauen. Wir dürfen zweitens staunen, wie selbstverständlich die Schmiererei zum Geschäft gehörte. Oder gehört?

Es lässt sich nur hoffen, dass das augenzwinkernde "Ohne Nachhelfen geht's halt nicht" aus den Chefetagen verschwunden ist. Denn mit Appellen unserer Politiker oder Konzernlenker werden wir die weltweite Korruption nicht eindämmen - schon gar nicht, wenn hinter der Bühne die Bestechungsgelder fließen.

Autor:  Stephan Hebel
Datum:  24 | 3 | 2010
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