Drei Viertel jeder Zigarettenschachtel sollen künftig mit schockierenden Fotos und Warnungen bedruckt werden. Das will die EU-Kommission am Mittwoch beschließen. Sogar jeder zweite Raucher spricht sich laut einer Emnid-Umfrage dafür aus, wünscht also, stärker abgeschreckt zu werden. Aber hilft es wirklich, durch Tabakkonsum ruinierte Körperteile abzubilden – also Veränderungen, die der Nikotinabhängige auch an sich selbst beobachten kann und das sogar in 3D? Oder sollte man nicht besser zu wirklich erschütternden Fotodokumenten greifen, etwa vom aktuellen Zeitplan des Berliner Großflughafens oder von einem S-Bahn-Triebwagen, der gegen eine ausgewachsene Schneeflocke und ihre kleine Schwester ums Überleben kämpft? Der Hinweis „Rauchen macht Krebs“ wirkte gewiss kraftvoller, ergänzte man ihn durch die Gimmick-Aktion: „In jeder zehnten Schachtel liegt eine Gewebeprobe“. Zudem wären die Verpackungen durch explizite Gruselmotive so jugendgefährdend, dass sie nur noch – neben Horrorfilmen und Pornos – in abgetrennten Räumen ausgestellt beziehungsweise nach 22 Uhr verkauft werden dürften. Andernfalls könnten sich zu viele Minderjährige dafür interessieren, schon wegen der tollen Sammelbilder. Auf den Schulhöfen wäre dann zu hören: „Ich habe schon drei Raucherbeine, den Zahnfleischschwund und eine Teerlunge. Jetzt fehlt mir nur noch die erektile Dysfunktion.“
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