Haiti war in den vergangenen Jahren aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerutscht. Die internationale Gemeinschaft hatte sich schleichend aus dem Krisenstaat verabschiedet. Zu kompliziert und verwickelt schienen die Probleme. Und nicht lösbar. Politisches Chaos und Gewalt wurden vor allem in den vergangenen Jahren verschärft durch Naturkatastrophen.
Seit Jahren warnen Entwicklungshelfer vor Ort, dass die strukturellen Probleme Haitis nicht gelöst seien und dass nur massive Unterstützung und internationale Präsenz das Land vor dem Kollaps retten könnten. Das Erdbeben hat die miserable Situation Haitis nun wieder ins Bewusstsein der Welt gerückt. Das Land wurde auch deshalb so hart getroffen, weil es einer Katastrophe dieses Ausmaßes schutzlos ausgesetzt war.
Die Bilder aus Port-au-Prince wecken Erinnerungen an den 11. September 2001 in New York. Auch damals liefen die Überlebenden verstört und verletzt und von Staub bedeckt durch die Straßen. Für die Republik Haiti und ihre neun Millionen Einwohner hat das massive Erdbeben eine ähnlich verheerende Wirkung, wie sie die Anschläge damals für die ganze Welt hatten. Sie treffen ein Land, das ohnehin schon am Boden liegt und bereits vor der apokalyptischen Tragödie nicht alleine lebensfähig war.
Aus dem gescheiterten Staat droht in der Folge des Erdbebens der untergehende Staat zu werden. Symbolisch dafür steht der eingefallene Präsidentenpalast, der Jahrzehnte schneeweiß und solide allen politischen Kapriolen und Unbilden der Natur widerstand. Am Dienstag sackte er in sich zusammen wie ein Kartenhaus.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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