Ja, die Abwägung ist nicht einfach: Ist es einem Baby zuzumuten, mit seiner Mutter im Knast zu leben? Oder hat es der Säugling draußen, bei einer Pflegefamilie, besser? Der Antifolterausschuss des Europarats hat sich dazu klar positioniert: Das Wohl des Kindes hat immer Vorrang.
In Nordrhein-Westfalen nun sind Schwangere in Fesseln zum Arzt gebracht worden, wurden wohl auch im Beisein von Beamten untersucht, lebten monatelang in der Ungewissheit, was mit ihnen und ihrem Nachwuchs geschieht. In Einzelfällen wurde ihnen ihr Kind entrissen, kaum dass die Nabelschnur durchtrennt war. Ob das dem Wohl des Kindes diente? Man darf es bezweifeln. Wohlgemerkt: Es sind keine Kapitalverbrecherinnen, die so behandelt wurden, sondern Frauen, die gestohlen oder gedealt haben - und sich manchmal einfach nur schuldig machten, weil sie aus einem Entwicklungsland hierher geflohen sind.
Darf man mit ihnen so umgehen? Ministerin Roswitha Müller-Piepenkötter wusste es wohl spontan nicht zu sagen. Deshalb hat die Christdemokratin eine Arbeitsgruppe gegründet. Sicher ist sicher.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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