Es kommt selten vor, dass Politiker über Vorgänge in ihrem Verantwortungsbereich in so unverblümten Worten reden wie "unangemessen" oder gar "Debakel". Wenn es vorkommt, dann hat das, wie es scheint, zwei Gründe. Erstens: Derjenige, der so redet, war noch nicht im Amt, als "es" passierte. Zweitens: Die Sache muss so schlimm sein, dass Beschönigen nichts mehr hilft.
So können sich zwei Bayern die Hand reichen: Karl-Theodor zu Guttenberg ("unangemessen", Kundus) und Horst Seehofer ("Debakel", Landesbank). Seehofer hat natürlich Aufklärung versprochen, als er gestern im Landtag für die Milliardenverluste der BayernLB politisch geradezustehen hatte. Mal sehen, wie vielen Parteifreunden er dabei begegnet - und ob sie der Versuchung widerstehen, daraus ein persönliches Debakel für Seehofer zu machen.
Das Wichtigste wäre allerdings, aus den Vorgängen zu lernen. Das wilde Spekulieren der Länder-Institute wird in der Politik gern mit dem Satz kommentiert, der Staat sei eben nicht der bessere Banker. Vergessen wird der Zusatz: vor allem dann nicht, wenn er die Zocker der privaten Institute imitiert.
Die "Aufseher" haben vor allem aufgesehen zu den schneidigen Finanzjongleuren, die sie beaufsichtigen sollten. Zur echten Aufsicht waren sie oft gar nicht in der Lage, ersetzten fehlende Fachkenntnis durch trendige Besoffenheit vom ungezügelten Finanzkapitalismus.
All das spricht nicht gegen Landesbanken, die als Spitzeninstitute regionaler Wirtschaftsförderung ihren Nutzen hatten und hätten. Es spricht dagegen, dass Politiker auf Züge aufspringen, die sie nicht mal zu bremsen vermögen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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