Was Hamid Karsai anfasst, bringt seine einzigen wahren Helfer in Erklärungszwang. Das Personenstands- und Sexgesetz, das er ohne langes parlamentarisches Vorspiel unterzeichnet hat, ist das jüngste Beispiel und vielleicht nicht das letzte. Es wird die Frauen einer starken ethnischen Minderheit zu nahezu rechtlosen Wesen degradieren wie einst unter den Taliban.
Es handelt sich um Frauen der Hazara-Minderheit, die von den Paschtunen, wie Karsai einer ist, verachtet wird; es ehrt die Hazara-Politiker, die sich gegen das Gesetz erheben, dass sie Menschenrechte (hier speziell: Frauenrechte) ernster nehmen als ihr Präsident.
Es würde auch die westlichen Unterstützer Karsais ehren, wenn sie protestierten. Beim Nato-Gipfel - wo denn sonst - wäre die Gelegenheit. Haben sie nicht Karsai installiert, um unter anderem die Gleichberechtigung der Afghaninnen zu fördern? Wollen sie ihn tatenlos gewähren lassen, wenn er das, was bisher in diesem Sinn erreicht war, zur Bedeutungslosigkeit zurück dekretiert? Ist die Nato eine Werte-Gemeinschaft - oder lässt sie Gemeinheit obsiegen?

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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