Ostern ist für den Vatikan, was der Parteitag für die Partei ist und der olympische Wettbewerb für den Sport: einer der Momente, in dem nicht nur die eigenen Anhänger gebannt lauschen und schauen. Ein Augenblick, der neue Freundschaften verspricht, nach Öffnung schreit und für wenig Tat viel Aufmerksamkeit bereithält.
Der Vatikan, der sich zahllosen Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche gegenübersieht, hat diese Gelegenheit nicht nur ungenutzt verstreichen lassen. Nein, er hat gleich völlig versagt.
Vom Propaganda-Vorwurf an die Kritiker ("Geschwätz des Augenblicks") über die Solidaritätsadresse an den Papst bis hin zum Antisemitismusvergleich hatte Rom alles zu bieten, was zu einem ordentlichen PR-Desaster gehört. Nicht um die Missbrauchten kümmert man sich, sondern um sich selbst.
Und weil man nicht zu den Tätern zählen will, verliert man kein Wort über die Opfer. Der Vatikan hat so seine Kritiker aufs Äußerste bestätigt. Und er hat viele Gläubige tief enttäuscht. Diese teilen sicherlich nicht jede Kritik am Papst. Ihre Sorgen um ihre Kirche hätten sie hingegen schon gern geteilt.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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