Ist die ETA wirklich so schwach, wie die spanischen Sicherheitskräfte glauben? Man könnte ins Zweifeln kommen. Vor zwölf Tagen ließ die baskische Terrororganisation eine Autobombe mit gewaltiger Sprengkraft vor einer Guardia-Civil-Kaserne in Burgos im Norden Spaniens explodieren, die Menschen verletzte und nur zufällig niemanden tötete. Einen Tag später zündeten ETA-Attentäter einen Sprengsatz unter einem Streifenwagen der Guardia Civil auf Mallorca und töteten zwei junge Beamte. Und nun, nach elf Tagen der Suche nach den Attentätern von Palmanova, schlägt die ETA der Polizei schon wieder ein Schnippchen und deponiert in Palma de Mallorca, mitten in einem strandnahen Ausgehviertel, mehrere kleine Bomben.
Der erste Eindruck: Die können alles. Die haben ein unerschöpfliches Reservoir an Jungterroristen, die den verhafteten ETA-Leuten nachfolgen und deren blutiges Handwerk übernehmen. Der Eindruck ist nicht völlig falsch. Die ETA kann nicht alles, aber sie kann mehr, als den Fahndern lieb ist. Und das Reservoir an neuen Terroristen ist größer als erwartet.
Auf der anderen Seite brauchte die ETA dringend propagandistische Erfolge. Spätestens die Bombe von Palmanova hat sie in die internationalen Schlagzeilen gebracht. Mit den Sprengsätzen vom Sonntag versucht sie diesen "Erfolg" in Sachen Aufmerksamkeit zu wiederholen - mit sehr viel einfacheren Mitteln. Bomben mitten unter Urlaubern und Sonntagsausflüglern schrecken die Menschen überall. Es bestand wohl nicht die Absicht, irgendjemandem Schaden zuzufügen, doch das Ziel ist erreicht: Die ETA ist wieder in aller Munde.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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