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Kommentar: Spione aus der Kälte

Ist denn der Spion, der einst aus der Kälte des Kalten Kriegs kam, nicht längst in Rente? Ach was. In Russland sind Nachrichtendienste das Bindeglied zwischen Kreml, Wirtschaft und Mafia. Von Volker Schmidt

Russischer Offizier vor dem Moskauer Kreml (Archivbild)
Russischer Offizier vor dem Moskauer Kreml (Archivbild)
Foto: dpa

Leser der Romane John le Carrés reiben sich die Augen: Geheimtinte? Verschlüsselungstechnik? Heimliche Bargeldübergaben? Ist denn der Spion, der einst aus der Kälte des Kalten Kriegs kam, nicht längst in Rente? Ach was. Am aktuellen Agententhriller aus den USA überrascht allein die Zahl der Verhafteten.

Wer gehofft hatte, dass die Geheimdienste ihr schmutziges Spiel nach dem Fall des Eisernen Vorhangs einstellen würden, dürfte längst gemerkt haben, dass diese Hoffnung trog.

Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

FSB-Veteran Wladimir Putin hat ein Russland geschaffen, in dem die Nachrichtendienste als Bindeglied zwischen Kreml, Wirtschaft und Mafia operieren. Das ökonomische Wachstum Chinas fiele ohne Wirtschaftsspionage weniger saftig aus. Iranische Agenten jagen Dissidenten, der israelische Mossad belauert die Iraner.

Korruption ohne Ende

Die US-amerikanische CIA entführt Menschen und fliegt sie quer durch Europa in geheime Gefängnisse williger Helferstaaten. Der deutsche BND kommt alle paar Monate ins Gerede, weil er Journalisten bespitzelt, Plutonium schmuggelt oder im Irak Dinge tut, die bis heute nicht restlos aufgeklärt sind.

Geheimdienste neigen zum Eigenleben, entziehen sich demokratischer Kontrolle - das wenigstens hat der sonst weitgehend folgenlose BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags bewiesen. Geheimdienste sind ihrem Wesen nach undemokratisch.

Es ist ihr Job, Bürger- und Menschenrechte zu verletzen, zu korrumpieren, zu drohen. Zwar müssen auch Demokratien Informationen über andere Staaten sammeln. Aber der Kalte Krieg wird erst vorbei sein, wenn kriminelle Methoden nur noch im Roman eine Rolle spielen.

Autor:  Volker Schmidt
Datum:  29 | 6 | 2010
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