Rente mit 67? War gestern. Agenda 2010? Auslaufmodell. Kontaktsperre zur Linkspartei? Verjährt. Schneller als ihre Noch-Parteispitze erlaubt, rotiert die SPD nun auch programmatisch um die eigene Achse. Klaus Wowereit, designierter Vizevorsitzender, hat jetzt als erster den Stein aufs eigene Glashaus geworfen. Mit einem "Wünsch dir was" an sozialpolitischen Kurskorrekturen reklamiert er die Rolle als Sprachrohr der Parteilinken für sich und läutet die Auseinandersetzung ein mit der Genossenschaft Schröder & Erben.
Wowereits Forderungen sind als Kampfansage zu verstehen an den Architekten der Agenda 2010, Frank-Walter Steinmeier. Den hat die SPD vor gut einer Woche als ihren Spitzenmann gefeiert. Auch das war gestern. Jetzt kämpft Steinmeier gegen die innerparteiliche Gewichtsverlagerung nach links. Das "Kraftzentrum" der Partei sei die von ihm geführte Bundestagsfraktion, betont er. Das klingt nach Autosuggestion und zeigt, welche Kräfte an der SPD zerren. Dem Publikum kann nur schwindelig werden bei dieser Partei, die im Sauseschritt zur Disposition stellt, was gestern noch so richtig war.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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