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Kommentar: Stille in Teheran

Am ersten Jahrestag der umstrittenen Präsidentenwahl, blieb in Teheran alles ruhig. Das iranische Volk scheint zum Schweigen gebracht. Von Martin Gehlen

Martin Gehlen ist Redakteur beim Berliner Tagesspiegel.
Martin Gehlen ist Redakteur beim Berliner Tagesspiegel.
Foto: FR

Das iranische Volk scheint zum Schweigen gebracht. Wo ist meine Stimme, skandierten im vorigen Sommer wochenlang die Menschen auf den Straßen. Jetzt, am ersten Jahrestag der umstrittenen Präsidentenwahl, blieb in Teheran alles ruhig.

Viele Regimekritiker sind zu drakonischen Strafen verurteilt worden. Kaum ein Iraner wagt noch, mit Ausländern zu sprechen, Journalisten erhalten praktisch keine Visa mehr. Die Islamische Republik igelt sich ein. Ihr Regime widmet sich seiner geopolitischen Lieblingsrolle: allein gegen alle - Teherans heroischer Abwehrkampf gegen die globale Riege der finsteren Mächte.

Doch die innenpolitische Krise im Iran ist so wenig beigelegt wie die Kriegsgefahr wegen des Atomprogramms. Der Grundkonsens der Elite, der bisher das klerikal-republikanische Doppelgebäude zusammenhielt, ist ruiniert. Eine Regierung, die sich auf Schlägertrupps und Folter stützen muss, kann politisch nicht mehr viel bewegen. Im Volk aber brodelt es unter der Oberfläche weiter. Die Oppositionschefs Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi wissen, dass die Zeit für sie arbeitet.

Autor:  Martin Gehlen
Datum:  14 | 6 | 2010
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