Dass die Grünen im neu vorgelegten Deutschlandtrend erstmals bei 17 Prozent der Wählerstimmen liegen, feiern sie selbst als Bestätigung ihres Kurses der "grünen Eigenständigkeit". Tatsächlich profitieren sie freilich vor allem von der Schwäche ihrer Konkurrenz: In NRW etwa gewannen sie vor allem Wechselwähler von SPD und CDU, während ihre eigenen treu blieben.
Dahinter steckt aber zweierlei: Erstens ist bei den Grünen klar, wofür sie stehen. Wer sie wegen Anti-Atomkraft, "Bio" und Klimaschutz wählt, kann darauf vertrauen, dass sie sich dafür in jeder denkbaren Koalition einsetzen. Wie inhaltsleer wirkt dagegen eine FDP ohne Steuersenkungen und angesichts trudelnder freier Märkte!
Vor allem inszenieren sich die Grünen nicht mehr als junge Wilde, sondern als "Stimme der Vernunft". Künast etwa gelang im Bundestag der dialektische Kniff, ihre Zustimmung zur Griechenland-Rettung mit grundsätzlicher Ablehnung schwarz-gelber Finanzpolitik zu verbinden. Womit sie die Stimmung vieler traf, die verantwortungsvolle Politiker wollen und denen dennoch unwohl ist bei all der Bankenrettung. Mit ihren Ansätzen zu Energiewende und Nachhaltigkeit auch in der Finanzpolitik mögen die Grünen die Medien langweilen - in NRW brachten sie ihnen überdurchschnittlich viele Gebildete, Selbstständige, Angestellte.
Giftig könnte man sagen, die Grünen sind heute die Partei der Streber mit Haltung. Freundlicher: Sie zeigen, wie man wirklich die "neue Mitte" gewinnt. Man muss nicht etwa meinungsscheu und beliebig auftreten, sondern kompetent wirken und kompromissbereit sein.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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