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Kommentar: Teurer Titel ohne Wert

Dass sich gleich 100 Hochschullehrer haben bestechen lassen, damit hatte man nicht gerechnet. Dennoch kann man nicht wirklich überrascht sein. Die Welt außerhalb der Universitäten will den Titel. Von Yvonne Globert

Yvonne Globert ist Bildungsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Yvonne Globert ist Bildungsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Promotion gegen Piepen. Die Wissenschaftsszene ist entsetzt. Zwar ist seit 2008 klar, dass ein Beratungsinstitut in Bergisch-Gladbach einzelne Hochschullehrer bestach. Dass es aber gleich 100 sein würden, damit hatte man nicht gerechnet. Dennoch kann man im Grunde nicht so richtig überrascht sein.

Das Verhalten der korrupten Doktorväter ist nicht zu entschuldigen. Sie ziehen die "Würde" des Titels, den sie ungeeigneten Kandidaten in Aussicht stellten, in den Schmutz und verhöhnen jene, die sich aus eigener Kraft an ihrer wissenschaftlichen Arbeit abrackern. Wenn aber schon von Würde die Rede ist, muss man das ganze Wissenschaftsfeld aufrollen und auch die finanzielle Situation von Professoren berücksichtigen. In die Gesamtbewertung des Falls sollte einfließen, wie unsicher die Lebens- und Finanzsituation von wissenschaftlichem Personal inzwischen geworden ist, das sich zuweilen von Lehrauftrag zu Lehrauftrag hangelt und sehen muss, wie Kollegen in der freien Wirtschaft deutlich bessere Gehälter beziehen.

Und was ist mit denjenigen, die den Beraterfirmen bis zu 20.000 Euro bezahlen können? In vielen Fällen soll der Doktortitel dem eigenen Ego schmeicheln und die Karriere befördern. Aber der Fall ist auch Beleg für wachsenden Druck. Nachwuchsakademiker sollen ihre wissenschaftliche Laufbahn so schnell wie möglich bewältigen. Das Lehrpersonal hilft ihnen dabei kaum, das hat mit Drittmitteleinwerbung und Bologna-Reform genug am Bein. Die Welt außerhalb der Universitäten aber will den Titel. Worüber ein Arzt promoviert hat, ist egal. Aber ohne Titel? Das wäre unwürdig.

Autor:  Yvonne Globert
Datum:  23 | 8 | 2009
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