Schon klar, Herr Wehrbeauftragter Königshaus – es ist Ihre Aufgabe, unsere Soldaten vor Ungemach zu bewahren, zumal wenn es um verstopfte Klos geht. Aber mussten Sie mit Ihrem Bericht den deutschen Soldaten die Integration in Kahramanmaras noch schwerer machen, als diese es in Anatolien ohnehin ist? Mussten Sie den Verteidigungsminister, der eben erst den deutschen Patriot-Standort besucht hat, derartig bloßstellen? Hätten Sie nicht mit ihm und vielleicht auch mit den Türken über die Probleme reden können?
Abgesehen von objektiven Schwierigkeiten – zu wenig Gebäude, die zudem nicht für Ausländer gedacht waren – gibt es in Kahramanmaras vor allem ein kulturelles Problem. Die türkische Armee ist fremde Militärs auf ihrem Territorium bisher nicht gewöhnt und nimmt die Deutschen als individualistische Eindringlinge wahr, die alles durcheinander bringen. Von einer weiblichen deutschen Soldatin lässt sich ein stolzer türkischer General schon gar nichts sagen. Ohnehin fühlt sich das türkische Offizierscorps zutiefst gedemütigt, seit Ministerpräsident Erdogan den Generalstab entmachtete. So kommt es in Kahramanmaras jetzt fast zwangsläufig zu einem Zusammenprall der Kulturen. Geschäftsleute wappnen sich dagegen mit interkulturellem Training. Lieber Herr Königshaus, vielleicht sollten Sie das einfach auch mal probieren.
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