Entweder man wechselt die Politik aus oder die Köpfe, hat der Polit-Philosoph Rumen Dimitrow resignierend bemerkt. In seinem Heimatland Bulgarien setzt man eindeutig auf Letzteres. Die neue Regierung unter dem Rambo-Darsteller Bojko Borissow besteht aus "neuen, unbelasteten" Figuren. Ein vertrautes Muster: Belastet ist in Bulgarien jeder, der sich über längere Zeit in der politischen Szene gehalten hat. Unbelastet ist nur, wer von Politik garantiert nichts versteht. Es ist eine Doppelmühle: Wer sich durchsetzen will, muss sich mit zweifelhaften Netzwerken arrangiert haben. Wer sich aber weigert, setzt eben nichts durch.
Seit Bulgarien EU-Mitglied ist, haben die Anti-Korruptionskämpfer im Land Auftrieb. Das ist nicht nur gut; Brüssel liefert nämlich nur die Vorschriften, zeigt aber keine Wege auf, wie sie Wirklichkeit werden. Ohne klassische politische Tugenden wie List und Schläue wird es nicht gehen. Bevor die "schmutzige" Politik moralischer Reinheit Platz macht, schlägt die Stunde des starken Mannes. Korruption wird es dann noch geben. Nur hört man nichts mehr davon.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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