Die Behörde hat Strahlenschutzmaßnahmen veranlasst. Ein Satz, wie in den Salzstock von Asse gemeißelt, verkündet an dem Tag, an dem uns die Nachricht vom neuen Laugenfund in dem Atommülllager erreicht. Natürlich dringt auch diesmal keine Radioaktivität nach außen, besteht null Gefahr fürs Betriebspersonal, etc.pp. Den Rest können Vorschulkinder mitplappern, die ab und und an am Radio vorbeikommen.
Fast ist man versucht, nicht mehr hinzuhören. Schließlich spricht längst keiner mehr Asse ohne den unschönen Zusatz "einsturzgefährdet" aus. Auch so lässt sich Normalität herstellen. Kleinere Vorfälle sind dann kaum mehr der Rede wert.
Sind sie aber doch. Die neuen Laugenpfützen an der tiefsten Stelle der Bergwerksgrube zeigen, dass die Asse längst vor sich hinbröselt. Damit ist der Glaube der Verantwortlichen erschüttert, man habe noch bis 2014 Zeit, die Atomklitsche zu sanieren. Das Bundesumweltministerium muss mit Hochdruck eine zukunftsfähige Lösung entwickeln. Sollte es darauf hinauslaufen, dass die strahlende Fracht vor Ort gesichert werden muss, darf Sigmar Gabriel keinen Tag zögern, diese unbequeme Wahrheit den Asse-Nachbarn in seinem Wahlkreis zuzumuten - trotz Wahlkampf.
In dem muss das Atomthema eine große Rolle spielen. Wer angesichts der von der Atomlobby verbrochenen Schlampereien und der ungeklärten Endlagerfrage über längere Laufzeiten für Atommeiler sinniert, darf sich nicht wundern, wenn er auf massive Kritik stößt. Schon vorm Asse-Skandal und dem doppelten Krümmel-Aus brauchte es keine Beweise mehr dafür, dass die Atomkraft nicht zu bändigen ist. Danach erst recht nicht.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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