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28. Januar 2010

Kommentar: Verhüllt und ausgesperrt

 Von Ursula Rüssmann
Ursula Rüssmann ist Politikredakteurin der Frankfurter Rundschau.  Foto: FR

Nachvollziehbar ist der Ruf nach der Ächtung von Burkas also - einerseits. Andererseits: Helfen würde es nichts, im Gegenteil. Von Ursula Rüssmann

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Die Advokaten eines Banns für Burkas, die jetzt auch hierzulande laut werden, müssen sich immerhin einen Vorwurf nicht gefallen lassen: den, sie griffen die Religionsfreiheit muslimischer Frauen an. Weder schreibt der Koran den Ganzkörperschleier irgendwo vor, noch hat es irgendwas mit Freiheit zu tun, wenn Frauen meinen, sich und ihre Individualität unsichtbar machen zu müssen, oder wenn sie dazu gezwungen werden. Letzteres dürfte gar nicht mal so selten entscheidend sein - die Wortwahl "Ganzkörpergefängnis" trifft durchaus ins Schwarze.

Nachvollziehbar ist der Ruf nach der Ächtung von Burkas also - einerseits. Andererseits: Helfen würde es nichts, im Gegenteil. Burkas hängen vornehmlich in den Kleiderschränken solcher Familien, die fundamentalistisches und patriarchales Denken pflegen und ohnehin zur Abschottung neigen.

Mit der Verbotskeule bricht man die nicht auf, man verstärkt sie noch. Wer seine Frau bisher nur totalverhüllt zur Behörde hat gehen lassen, der wird sie, wenn das Amt sie aussperrt, gar nicht mehr aus dem Haus lassen. Wollen Sie das, Frau Akgün und Herr Geis?

Niemand kann seriös bestreiten, dass hierzulande zu viele muslimische Frauen weiterhin am Rande der Gesellschaft leben müssen - die Mehrheit von ihnen aber trägt gar keine Burka, sie sind oft nicht mal besonders fromm. Und wir beheben ihre mangelnden Deutschkenntnisse, die krassen Bildungsmängel und die häufige Unterdrückung in der Familie auch nicht durch Kleidungsgebote. Gesetzesaktivismus und populistische Ächtungsdebatten können den fehlenden Willen zu nachhaltiger Integrationspolitik nicht ersetzen.

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