Diese unbequeme Wahrheit wird man ja mal aussprechen dürfen. Obwohl sie von unserer sogenannten Wirtschafts- und Medien-Elite gern totgeschwiegen wird: In Deutschland herrscht Integrations-Unwillen!
Etwa unter Personalchefs. Wenn die, das zeigt eine OECD-Studie, auf einem Abi-Zeugnis einen türkischen Namen lesen, fällt ihnen ihr Gemüsehändler ein, der immer noch kaum Deutsch spricht - und dann bevorzugen sie die deutschen Namen. Ja: Das ist diskriminierend. Dagegen gibt es seit 2006 sogar ein Gesetz. Das wird aber in derlei Fällen kaum angewendet, weil sich kein Abgelehnter per Opferbonus in den Job klagen mag.
Aber: Das ist auch eine Verschwendung von Potenzial. Die Wirtschaft beklagt Fachkräftemangel, Experten fordern mehr hochqualifizierte Einwanderer - und hier geborene Migranten, die genug Aufstiegswillen und Talent haben, sich aus schlechten Startbedingungen hochzuarbeiten, werden ausgebremst und in die innere Emigration getrieben. Doch was tun? Ausländerquoten, wie sie Norwegen einführt? Minderheiten bevorzugen, womit die USA gute Erfahrungen machen? Das kann enden wie beim Antidiskriminierungsgesetz: Keiner mag den Opferbonus.
Nein, die Einstellung gegenüber dem scheinbar Fremden muss sich ändern. Man muss den Klischees die Grundlage entziehen. Denn noch immer ist die Mehrheit der Einwandererkinder ja tatsächlich schlechter ausgebildet. Erst wenn der Staat endlich auch Kinder aus bildungsfernen Haushalten gut ausbildet, sorgt er für ein Ende der Diskriminierung. Das ist öde, komplex, langwierig - weshalb so viele Medien und Sprücheklopfer diese Wahrheit lieber totschweigen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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