Die Genugtuung im Europäischen Parlament war mit Händen zu greifen: Die liberale deutsche Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin hat ihren Denkzettel bekommen - auch wenn sie schließlich doch noch Vizepräsidentin wurde. Ihre Kollegen gaben ihr deutlich zu verstehen, was sie von einer Parlamentarierin halten, die lieber in Talkshows mit populistischen Sprüchen die Europäische Union kritisiert, statt in Sitzungsräumen deren Politik mit zu gestalten. Von einer, der mühselige Arbeit lästig ist.
Kein Zweifel: Die 38-Jährige hat die Watschen verdient. Denn als personifizierte Oberflächlichkeit in der Politik, deren Konzept darin besteht, heiße Luft zu erzeugen und sie publikumswirksam zu verbreiten, hat sie an der Spitze des Europäischen Parlaments nichts zu suchen. Dennoch: Im dritten Urnengang hatten die Abgeordneten nur noch die Wahl zwischen Szylla und Charybdis - zwischen Koch-Mehrin und dem schwulen-feindlichen, rechtsradikalen Polen Michal Tomasz Kaminski. Da sollte die FDP-Politikerin ihren hauchdünnen Vorzug nicht als Vertrauensbeweis missverstehen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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