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Kommentar: Vorbildliche Blockade

Polizei-Gewerkschafter Wendt muss es nicht gut finden, dass Wolfgang Thierse per Sitzblockade demonstriert. Aber die Rücktrittsforderung ist im Ton derart daneben, dass man kontern darf: Wenn einer gehen muss, dann Wendt. Von Volker Schmidt

Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Wolfgang Thierse - ein "Salon-Revoluzzer"? Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert den Rücktritt des Bundestagsvizepräsidenten, weil der sich einer Neonazi-Demonstration in den Weg gestellt hat. Das ist in der Sache so überzogen und im Ton einem verdienten Demokraten gegenüber derart daneben, dass man die Forderung zurückgeben darf: Wenn einer gehen muss, dann Wendt.

Ein Polizist muss es nicht gut finden, wenn jemand sich seinen Kollegen in der Ausübung ihrer Pflicht in den Weg stellt. Aber ein Gewerkschafter sollte sich erinnern, dass ziviler Ungehorsam zur Geschichte emanzipatorischer Bewegungen gehört, auch der Arbeiterbewegung, deren Feiertag die Rechten okkupieren wollten.

Man muss nicht bis zu Gandhi schweifen - auch der Widerstand von Walter Jens, Günter Grass und Heinrich Böll gegen US-Atomraketen in Mutlangen gehört dazu.

Geschichtsvergessene Perspektive

Sitzblockaden gegen Nazi-Aufmarsch in Berlin

Bildergalerie ( 9 Bilder )

Deutliches Auftreten gegen Rassisten und Nationalisten als "auf der Fahrbahn sitzen und die Polizeikräfte behindern" zu beschreiben, zeugt von einer geschichtsvergessenen Perspektive. Wer sie vertritt, ist an der Spitze einer Gewerkschaft fehl am Platze.

Aber diese Sicht passt in ein Klima, in dem zahlreiche Initiativen gegen rechts unter Verdacht gestellt werden, selbst Extremisten zu sein, Linke eben, die die "Mitte der Gesellschaft" gefährden. Eine Mitte, in der Ruhe die erste Bürgerpflicht sein soll. Gegen diese Friedhofsruhe zu protestieren, steht Volksvertretern gut an.

Gerade dann, wenn sie wie Thierse eines der höchsten Ämter der Republik innehaben.

Autor:  Volker Schmidt
Datum:  3 | 5 | 2010
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