Man kann es ja mal versuchen. Franz Münteferings Breitseite auf Angela Merkel ist nach längerer Pause wieder der erste Versuch der SPD, die CDU/CSU mittschiffs zu treffen - eine Taktik, die führende Sozialdemokraten seit Monaten im Kopf haben. Allerdings kommt der persönliche Angriff zu einem Zeitpunkt, da die Beliebtheit der politischen Beauty-Queen kaum mehr steigerungsfähig zu sein scheint. Wer darauf herabsetzend reagiert, wirkt schnell stil- und ratlos.
In der Tat findet die SPD kein Rezept gegen den Wahlkampf der Union, die umso unverhohlener auf die Popularität der Kanzlerin setzt, je weniger sie sich inhaltlich stellen muss. In Reden und Interviews darf Merkel persönliche Wärme verbreiten, während sich ihre Partei politisch dem absoluten Nullpunkt nähert - dort wo alles in vollkommener Reglosigkeit erstarrt. Wer jetzt noch versucht, sich vor der Wahl zu bewegen und den Bürgern damit Richtungshinweise für die Zeit danach zu geben, wird sofort schockgefroren: Dieter Althaus mit seinem Kratzen am Soli ebenso wie Wahlkampf-Matador Karl-Theodor zu Guttenberg mit seinem wirtschaftspolitischen Grundsatzpapier. Sollte der Text - wie das Ministerium andeutet - in den nächsten Wochen noch aus der Schublade auf die Schreibtische gelangen, dann dürften die Härten und Zumutungen fein säuberlich getilgt sein. Übrig bliebe die politische Lyrik. Angesichts der Reizthemen in Guttenbergs Papier aber müsste die SPD damit die Betriebstemperatur in der Schlussphase des Wahlkampfs deutlich erhöhen können - gegen die Beschwichtiger aus der Abteilung "Kältetechnik" in der Union.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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