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Kommentar: Wandel statt Verteufelung

Händeschütteln mit den Schurken? Nicolas Sarkozy reiste nach Syrien und lobte das Land als künftige Friedensmacht. US-Außenministerin Rice besucht Libyen, um nach fast dreißig Jahren Funkstille den diplomatischen Neuanfang zu besiegeln. In das eingeschliffene Koordinatensystem von Gut und Böse im Nahen Osten ist Bewegung gekommen. Die EU unter der Führung des agilen französischen Präsidenten versucht, neue Wege auszuloten. Denn die Europäer sind der von den USA inszenierten "Achse des Bösen" eher widerwillig gefolgt. Und in den Friedensbemühungen mit Israel haben sich Staaten als neue Vermittler bewährt wie die Türkei und Katar, die auf arabischer und israelisch-amerikanischer Seite Vertrauen genießen. Auch Sarkozy hat sich geschickt positioniert. Die Ächtung Syriens durch Vorgänger Chirac hat er beendet, gleichzeitig in den Beziehungen Frankreichs zu Israel neues Vertrauen aufgebaut.

Die arabischen Regime stehen unter innerem Druck. Gaddafi ist der dienstälteste Potentat, sein Sohn hat ihm gerade die Brocken vor die Füße geworfen mit den Worten, die Völker des Nahen Ostens lebten in einem Wald der Diktaturen. Familie Assad ist ähnlich lange an der Macht. Auch hier wünscht sich die Bevölkerung mehr Freiheiten. Regionalpolitisch hat Syrien eine doppelte Schlüsselfunktion: Käme es zum Friedensabkommen mit Israel, ginge den radikalen Bewegungen Hamas und Hisbollah ein wichtiger Sponsor verloren. Gleichzeitig hat Damaskus im arabischen Lager die mit Abstand besten Beziehungen zu Teheran. Käme es zur Aussöhnung mit Syrien, könnte am Ende sogar eine Lösung des Atomstreits mit dem Iran winken.

Autor:  MARTIN GEHLEN
Datum:  5 | 9 | 2008
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Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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