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Kommentar: Zoff als Linken-Sport

Der Zoff, der seit der krankheitsbedingten Sendepause von Oskar Lafontaine tobt, sprengt selbst die Maßstäbe der Linken in Sachen Hinterfotzigkeit. Von Jörg Schindler

Jörg Schindler ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Jörg Schindler ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: fr

Seit die Linke 2005 antrat, die Parteienlandschaft umzupflügen, streitet sie beherzt: gegen den Neoliberalismus, gegen Armut auf Rezept, gegen das System - und oft genug gegen sich selbst. Man hat sich fast daran gewöhnt, dass die Parteikonflikte, die mit West gegen Ost unzureichend umschrieben sind, auf offener Bühne ausgetragen werden. Der Zoff aber, der seit der krankheitsbedingten Sendepause von Oskar Lafontaine tobt, sprengt selbst Linkenmaßstäbe in Sachen Hinterfotzigkeit.

Da wird erst eine angebliche Affäre Lafontaines breit gestreut, über die das politische Berlin schon lange tratscht. Dann wird als Schuldiger Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch ausgemacht, der die Sache durch eigene Fehler noch verschlimmert. Dann rufen ausgerechnet diejenigen nach Loyalität, die, wenn es den eigenen Zwecken dient, nicht mal wissen, wie das buchstabiert wird. Und hier wie da lassen sich willfährige Vasallen vor den jeweiligen Karren spannen. So kann man Wahlerfolge auch pulverisieren.

Der Konflikt lehrt, dass "die" Linke eben noch immer viele Linke beherbergt und dass es ein Fehler war, die Programmdebatte auf den Nimmerleinstag zu verschieben. Solange der Partei der innere Kompass fehlt, werden die Strömungen in unterschiedliche Richtungen driften, weil jede von ihnen glauben darf, die Mehrheit der Linken zu repräsentieren. Die anderen sind dann eben Störenfriede und müssen beseitigt werden. Vielleicht lohnt es, daran zu erinnern, dass es da draußen ein paar Millionen Linken-Wähler gibt, die sich von der Partei einen anderen Weg erhofft haben. Ein anderer Weg, sich zu zanken, war damit sicher nicht gemeint.

Autor:  Jörg Schindler
Datum:  11 | 1 | 2010
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