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10. Mai 2012

Kommentar zu Banken: Banker treiben ihr Milliardenspiel

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Vom Rohbau der EZB hat man einen optimalen Blick über das Bankenviertel in Frankfurt am Main. Foto: dapd

Die Banker kassieren wieder wie eh und je. Geradeso, als hätten wir ihre Institute nicht vor dem Bankrott gerettet. Man sollte ihre Boni an die eingegangenen Risiken koppeln.

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Obwohl ich eher zum Typ Papierfresser gehöre, verdaue ich doch nicht alles. So übergehe ich – schon mangels Masse in der eigenen Kasse – meist jene Teile der Zeitungen, die mit Finanzen, Finanzmarkt, oder Geld überschrieben sind. Gelegentlich erscheint die Lektüre jedoch zwingend. Denn um sie zu übersehen, war kürzlich die Balkenüberschrift in einer großen konservativen Tageszeitung zu verführerisch-reißerisch: „Milliardensegen für Hedgefonds-Manager“.

Die Rede ist von den Vereinigten Staaten und jener Finanzsparte, der Franz Müntefering einst die Gefräßigkeit von Heuschrecken zusprach. Zitiert wird aus dem Fachmagazin Absolute Return, das neben Forbes regelmäßig über die Segnungen des Marktes informiert und die Gesegneten samt ihrem Einkommen auch gleich mit Klarnamen nennt. So erfahren wir, dass ein gewisser Ray Dalio von der größten Hedgefonds-Gesellschaft Bridgewater Associates im Jahr 2011 insgesamt 3,9 Milliarden Dollar verdient hat. Unwillkürlich liest man die Botschaft zweimal, um jeden Irrtum auszuschließen, und beginnt über die Bedeutung des Wortes verdienen nachzudenken.

Was ist das für ein Supermann mit derart gesegneten Fähigkeiten, der diese gigantische Summe im Wortsinne „verdient“ hat? Und wer musste dafür alles bluten, wer sind die Verlierer? Jedenfalls entnehmen wir dem Bericht, dass Hedgefonds-Manager „für sich in Anspruch nehmen, in jeder Marktlage Gewinn zu machen“.

Grenzenlose Gier

Doch nicht für alle lief es 2011 so gut wie für Dalio. Das habe sich unter den 25 gelisteten Top-Managern der Branche bemerkbar gemacht. Sei doch die Gesamtvergütung von 22 Milliarden Dollar auf 14,4 Milliarden gesunken. Unter den Verlierern: der skandalumwitterte John Paulson, der ungekrönte Wettkönig unter seinesgleichen. Hatten ihm die Wetten auf fallende Häuserpreise und die Erholung von Bankaktien noch Milliarden gebracht, bescherte ihm der Kollaps des chinesischen Forst-Unternehmens Sino Forest herbe Verluste.

Ebenso interessant ist die Entwicklung im Bankensektor. Weltweit kassieren die Banker wieder wie eh und je. Geradeso, als hätten sie in ihrer grenzenlosen Gier der Welt nicht erst kürzlich eine der größten Wirtschaftskrisen beschert und der geduldige Steuerzahler hätte nicht zahlreiche Institute ihrer famosen Zunft weltweit vor dem Bankrott gerettet. Zur Erinnerung: Allein in Europa bürgten die noch Steuern zahlenden Bürger für 1,6 Billionen Euro, ohne von ihren jeweiligen Regierungen, jemals direkt befragt worden zu sein.

Nach einer kurzen Schamfrist wird schon wieder wild spekuliert und bedenkenlos riskiert. Mit Moral und all den schönen Begriffen aus dem Werte-Rollkoffer ist den Herren und wenigen Damen nicht beizukommen. Dass ein zügelloses Risikoverhalten der Banken eine Gefahr für die gesamte Volkswirtschaft bedeutet, ist inzwischen hinlänglich bewiesen. Denn noch immer gilt, dass der kurzfristige Erfolg der Bank die Höhe des Honorars ihrer Akteure bestimmt.

Deshalb ist es Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass Erfolgsprämien – auch Boni genannt – erst dann fällig werden, wenn feststeht, dass die eingegangenen Risiken auch vertretbar sind. Es ist unerträglich, dass es eine Branche gibt, die weiter bei Erfolg üppig kassiert und bei Misserfolg die Allgemeinheit haftbar macht. Auch die Langmut des geduldigsten Steuerzahlers hat einmal ein Ende.

Klaus Staeck ist Verleger und Grafiker.

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