Zwei Jahrzehnte lang haben die Chilenen die politische Schonkost geschluckt, die ihnen ihre Mitte-Links-Regierung serviert hat. Schlecht ist sie ihnen nicht bekommen. Ihr Land ist von der Pinochet-Diktatur genesen, die Demokratie wurde gestärkt, wirtschaftlich ist Chile dick und rund geworden. Aber jetzt sehnen sich die Chilenen nach einem ordentlichen Big Mäc mit viel Majo und Ketchup. So einen politisch-kulinarischen Genuss verspricht Sebastián Piñera, der Kandidat der Rechten.
Dass so ein Imbiss vielleicht nicht ganz gesund ist, merkt man ja erstmal nicht. Die Versuchung ist groß, etwas anderes zu probieren, und die Politik des Rockmusik-Fans, der es zum Milliardär gebracht hat, schmeckt sicher anders als die Pflanzenkost, die Eduardo Frei anbietet, der Mann des Regierungslagers.
Wer in Chile Chefkoch wird, entscheiden die Anhänger von Marco Enríquez-Ominami. Der ist für die chilenische Politik so etwas wie Jamie Oliver für die Kochkunst. Schwer zu sagen, ob die sich die Wähler bei der Stichwahl im Januar für Schonkost oder Big Mäc entscheiden.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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