So ist das am "Tag der Arbeit". Auf deutschen Plätzen sagen Gewerkschafter kluge und wahre Dinge. Dass an Löhnen und Kindergärten gespart wird, während die Gewinne steigen. Dass wir einen Mindestlohn brauchen, und vieles mehr. Aber immer weniger Menschen hören zu. Der Protest erschien auch in diesem Jahr wie ein mühseliges, altes Ritual.
Um das zu verstehen, muss man die Arbeitswelt anschauen, über die die Gewerkschaften reden. Die Designerin, die am Feiertag ihren Werkvertrag erfüllt, arbeitet so flexibilisiert wie die Kassiererin, die am verkaufsoffenen Sonntag schlecht bezahlt schuftet. Beide werden vielleicht zusammen gegen Nazis demonstrieren, immerhin. Aber nur eine von beiden wird sich angesprochen fühlen von IG Metall und Verdi.
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Ein neues Klima der Solidarität müsste an den unterschiedlichen Arbeitsformen unserer Zeit nicht scheitern. Aber es scheitert in einem politischen Umfeld, das seit Jahren den organisierten Egoismus betreibt. Es ist gut, dass Gewerkschaften dagegen angehen. Allein aber werden sie die Wende nicht schaffen - schon gar nicht ohne neue Formen des Protests.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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