Nun ist also auch Griechenland systemrelevant. Deutschland wird der Regierung in Athen helfen, so wie es im Herbst 2008 die Banken vorm Umfallen bewahrt hat. Diese Entscheidung ist bitter, aber unvermeidlich, weil ein ähnlicher Flächenbrand droht wie nach der Pleite der US-Bank Lehman.
Nur spielt Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt in der Krise der Staaten eine ganz andere Rolle als in der der Finanzinstitute vor anderthalb Jahren. Damals begingen US-Präsident George W. Bush und sein Finanzminister den historischen Fehler, der die gefährliche Kettenreaktion rund um den Globus in Gang setzte. Und Merkel war an vorderster Stelle dabei, das Feuer zu löschen.
Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über Wege aus der Krise
Diesmal zündelt sie selber. Erst der massive internationale Druck brachte sie dazu, einzulenken und die ganz große Katastrophe, sozusagen Leh-man II, in letzter Minute zu verhindern. Von der Staatsfrau mit der hohen Reputation im In- und Ausland ist wenig übrig geblieben.
Das späte Einlenken kann den Schaden bestenfalls begrenzen. Wie viele Milliarden die Deutschen auch noch bereitstellen, wie sehr sie sich für ihre EU-Partner ins Zeug legen, international hat sich die Bundesregierung isoliert.
Das ist um so schlimmer, als die Koalition mit ihren eigenen Hausaufgaben nicht vorankommt. Andere belehrt sie gerne auf Konferenzen über die schöne deutsche Schuldenbremse. Doch deren Sparauftrag versucht sie schon im ersten Jahr mit Buchungstricks zu umgehen. Das mag legal sein. Und doch ist es beschämend für eine Regierung, die in Europa derart großspurig auftritt wie diese.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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