In der EU geht es mitunter zu wie bei den Gewerkschaften. Dort wird ja auch ständig die Solidarität beschworen. Im Falle der EU kann Solidarität allerdings sehr grausam sein. Das zeigt das Beispiel Griechenland: Die Partner geben Athen neue Notkredite in Höhe von 130 Milliarden Euro. Um an das Geld zu kommen, muss sich Griechenland einer Hungerkur unterwerfen. Es muss sich zudem nackt ausziehen, sein Hab und Gut veräußern, seine Souveränität in Brüssel abgeben. Finanzpolitisch wird Griechenland auf viele Jahre ein Protektorat der EU.
Nun haben sich die Mitglieder der Eurozone noch einmal zusammengerauft und trotz großer Bedenken ein neues Hilfspaket auf den Weg gebracht. Sie taten das in dem Wissen, dass es den Keim des Scheiterns in sich trägt. Denn Griechenland spart und spart. Aber es müsste wachsen, um aus seiner Haushaltsmisere herauszukommen. Außerdem weiß niemand, ob sich die griechischen Parteien nach den Wahlen im April tatsächlich an all die Reformzusagen gebunden fühlen.
Seit zwei Jahren doktern die Europäer nun am griechischen Patienten herum. Denn wenn er stirbt, geraten auch sie in Lebensgefahr. Die Behandlung hat schon etliche Milliarden verschlungen, nun werden weitere locker gemacht. Man ahnt: Das zweite Rettungspaket wird nicht das letzte gewesen sein.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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