Gregor Gysi steht nicht zum ersten Mal im Verdacht, mit dem Ministerium für Staatssicherheit über jenes Maß hinaus kooperiert zu haben, das für ihn als Anwalt unter DDR-Verhältnissen unvermeidlich war. Es wird auch nicht das letzte Mal sein. Gleichwohl zweifelt man selbst in der kritischen Dissidenten-Szene daran, ob es diesmal für eine Verurteilung reicht.
Offenkundig hat Gysi mit zwei Stasi-Offizieren über ein Interview geredet, das er tags zuvor mit zwei Spiegel-Korrespondenten geführt hatte. Dass der Geheimdienst sich interessiert zeigt, wenn ein DDR-Anwalt mit dem lange einflussreichsten westdeutschen Medium kommuniziert, liegt freilich auf der Hand.
Zudem hätte Gysi sich dem Interesse kaum entziehen können. Der auch moralisch schwerwiegende Kernvorwurf des Verrats von Mandanten ist jedenfalls etwas ganz anderes. Vermutlich hat der Verdächtige recht. Die Sache wird, wie schon so oft, im Sande verlaufen.
Das wiederum heißt nicht, dass Gysi eine weiße Weste hätte. Seine Funktion, die Verankerung seiner Familie im SED-System, sein ausgleichendes Naturell und diverse Hinweise in den Akten legen eher den Verdacht nahe, dass der heutige Linksfraktionschef der Stasi manches von dem gab, was sie wollte. Nur: Mit rechtlichen Mitteln kommt man der Wahrheit hier nicht näher. Besser wäre es, Gysi könnte diese Wahrheit von jedem Druck befreit auf den Tisch legen.
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