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Kommentar zu Gysis Kundus-Vergleich: Ein perfider Zusamenhang

Es dient weder der Sache der Opfer von Kundus noch der Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkrieges, wenn Gregor Gysi den Krieg von damals und das Bombardement von heute in einen Topf wirft. Der Zusammenhang ist perfide. Von Volker Schmidt

Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

So ist das also: "Der schlimmste Militärakt auf deutschen Befehl nach dem Zweiten Weltkrieg" war der Angriff auf die Tanklaster in Afghanistan, sagt Gregor Gysi. Damit hat er, technisch gesehen, wohl recht. Aber der Zusammenhang, den der Großrhetoriker da - man darf annehmen: ganz gezielt - herstellt, der ist perfide.

Zwischen dem Überfall auf Polen und den letzten verbrecherischen Durchhaltebefehlen nazideutscher Kommandeure an minderjährige und greise Soldaten geschahen "Militärakte", die mit dem Luftschlag von Kundus wenig mehr gemein haben, als dass es dabei zivile Tote gab. Im Zweiten Weltkrieg waren sie aus deutscher Sicht keine "Kollateralschäden", Völkermord war ein Kriegsziel - gegen Juden und gegen die lästigen Bewohner dessen, was man sich als "Lebensraum im Osten" unter den Nagel reißen wollte. Kriegsverbrechen geschahen nicht, weil ein Oberst eine falsche Entscheidung traf, sie geschahen systematisch und auf höchsten Befehl. Ein Untersuchungsausschuss war nicht vorgesehen.

Es dient keiner Sache - weder der Sache der Opfer von Kundus noch der Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkrieges -, wenn Herr Gysi beides in einen Topf wirft. Er sollte sich lieber auf die vielen wirklichen Argumente besinnen, die es gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan gibt.

Autor:  Volker Schmidt
Datum:  16 | 12 | 2009
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