Man erntet, was man sät. Die massenhaften Vergehen von Priestern, Ordensleuten und Kirchenmitarbeitern an Kindern und das Verdrängen dieses Skandals treibt die Menschen in Scharen aus der katholischen Kirche. Das kann niemanden wundern. Die Bischöfe mühen sich − der eine mehr, der andere weniger −, dafür zu sorgen, dass Missbrauch keinen Platz mehr in kirchlichen Einrichtungen hat. Doch sie sollten sich nichts vormachen: Der Missbrauchsskandal mag für viele ein Ärgernis sein, der einzige Grund, die Kirche zu verlassen, ist es sicher nicht.
Nein, es gibt viele Gründe, sich abzuwenden: die Diskriminierung der Frauen, die lustfeindliche Sexualmoral, der absolute Herrschaftsanspruch der zölibatär lebenden Männer. Wenn die katholische Kirche nicht zur Sektengröße schrumpfen will, muss sie sich reformieren.
Einen Dialog mit den Gläubigen haben die Bischöfe im Herbst versprochen. Leider scheint der Schwung schon zu erlahmen. Doch die Blockierer im Namen des Herrn dürfen nicht die Oberhand gewinnen. Sie ruinieren die Kirche.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.