In seiner Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Obama ein für Amerika ungewöhnliches Thema ins Zentrum gestellt: Fairness. Die meisten Amerikaner glauben noch immer, dass jeder, egal wie die Umstände sein mögen, den Aufstieg schaffen kann. Er muss nur fleißig genug sein und möglichst unbehelligt vom Staat. So das klassische Credo – und noch heute die Propaganda der Republikaner.
Mit der Realität hat das kaum noch etwas zu tun. Mittlerweile haben sich die USA zu einer Klassengesellschaft entwickelt. Mehr noch als in Deutschland hängen die Zukunftsaussichten jedes einzelnen von der Herkunft ab. Nur wer wohlhabende und gebildete Eltern hat – wie der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney, dessen Vater Millionär und Gouverneur gewesen ist –, hat selbst die Chance, Karriere zu machen.
Diese Erkenntnis hat sich seit der Finanzkrise 2008 auch in Amerika immer weiter verbreitet. Deshalb haben sich neue Protestbewegungen formiert: die Tea Party, die fälschlicherweise die Regierung für die soziale Misere verantwortlich macht, und Occupy Wall Street, die ihren Zorn zu sehr auf Banker und Broker fokussiert. Obama hat verstanden und bietet ein Programm dagegen an – aus Überzeugung und weil es die ideale Gegenstrategie zu den verbohrten Republikanern ist. Wenn nun auch die Arbeitslosigkeit noch sinkt, dürfte er damit Erfolg haben.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.