Sind die Deutschen auf Krawall gebürstet? Im Fernsehen der Volksaufstand gegen Stuttgart 21 – und im Internet 244.237 Einsprüche gegen Googles Bilderdienst Street View: Ist das die oft beklagte „Dagegen-Republik“, jetzt auch virtuell?
Eben nicht. Bundesdatenschützer Peter Schaar übertreibt, wenn er „die hohe Zahl der Anträge“ als Zeichen deutet, „dass die Bürger selbst entscheiden wollen, welche Daten über sie im Internet“ stehen. Erstens entspricht die Zahl nur 2,89 Prozent der Haushalte. Erstaunlich, wie wenig Deutsche sich trotz der aufgeregten Debatte zum Widerspruch mobilisieren ließen. Zweitens enthält ein von der Straße aus geschossenes Foto der Hausfassade, hinter der ich wohne, kaum „Daten“ über mich.
Das ändert sich, wenn Google die Fotos mit Adressangaben und Informationen, die die Firma über mich speichert, verknüpft. Genau diese Datensammelwut und nicht Bilder öffentlicher Plätze sollten deshalb gesetzlich überwacht, eingeschränkt und von uns allen scharf beobachtet werden. Von Massendemos gegen Vorratsdatenspeicherung und Swift-Abkommen ist aber nichts bekannt.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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