Das Spiel mit verteilten Rollen geht munter weiter. Gewechselt hat nur ein Teil der Akteure: Anstelle der SPD ist es jetzt die FDP, die den konservativen Kapriolen in der Familienpolitik der Union so weit wie möglich Einhalt gebieten will.
Dabei gehören Betreuungsgutscheine für Eltern, die ihre kleinen Kinder zu Hause erziehen, gewiss nicht zu den Instrumenten, die einem Liberalen als Erstes einfielen. Denn selbstredend schränkt eine solche Maßnahme die elterliche Freiheit ein. Wenn die Kanzlerin ihr plötzliches Nein nun zu einer Frage des Menschenbilds stilisiert, hat sie das liberale Grunddogma möglichst großen Staatsferne eher im Blick als den christlichen Familienbegriff. Sie will die FDP bei deren Idealen packen. Umgekehrt weiß Angela Merkel sehr wohl, dass maßgebliche Politiker der CDU/CSU in Betreuungsgutscheinen nicht die Sterbeurkunde des christlichen Abendlands sehen.
Die FDP tut gut daran, sich keine Ideologie-Debatte aufzwingen zu lassen. Nach Jahrzehnten einer verfehlten, einseitig auf die häusliche Erziehung fixierten Familienpolitik ist es ein Gebot der Pragmatik, Krippen und Kitas zu fördern. Die viel gepriesene "Wahlfreiheit" der Eltern steht vielerorts höchstens auf dem Papier. Schon deshalb ist es absurd, dass der Staat seine - begrenzten - Leistungen auch noch mit der Gießkanne unters Volk bringen will. Zumal der warme Geldregen allzu oft versickert, ohne die Kinder auch nur zu berühren. Betreuungsgutscheine stellen hier ein Mindestmaß an wünschenswerter Lenkung sicher. Das zu bestreiten, hat nichts mit dem Menschenbild zu tun, sondern mit Realitätsverweigerung.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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