Beim Jahrhundertgeschäft mit der US-Luftwaffe heben die Kämpfer für eine freie Marktwirtschaft wieder Gräben aus. Wirtschaftsminister Brüderle warnt bei der US-Ausschreibung für Tankflugzeuge vor Protektionismus und EU-Handelskommissar Karel De Gucht gibt sich besorgt, weil Washington einen offenen Wettbewerb verhinderte.
Die verbalen Attacken sind aber nicht mehr als Worthülsen, mit denen dem heimischen Publikum gezeigt werden soll: Hört her, wir kümmern uns. Denn die Herren werden nicht wirklich daran geglaubt haben, dass die USA einen milliardenschweren Auftrag tatsächlich an ein ausländisches Unternehmen vergeben. Washington kann sich schlicht nicht leisten, heimische Firmen und Arbeitsplätze zu übergehen. Weder in der jetzigen Wirtschaftskrise noch zu einem anderen Zeitpunkt. Dafür zahlt die US-Regierung den Preis, sich politisch nicht korrekt verhalten zu haben und einen fast vergebenen Auftrag zu widerrufen. Das war alles andere als nett.
Doch in Brüssel und Berlin macht sich unglaubwürdig, wer einerseits den Protektionismus der USA geißelt, andererseits zu ähnlichen Mitteln greift, wenn es gerade gefällt. Beim geplanten Militärtransporter A400M etwa wurde mit einem milliardenschweren Projekt die europäische Wirtschaft gestärkt, obwohl es auf dem freien Markt günstigere Lösungen gegeben hätte - unter anderem vom US-Hersteller Boeing. Das haben die Entscheider dann moderne Wirtschaftspolitik genannt. Wann lernen Brüderle & Co eigentlich, dass sie immer mit drei Fingern auf sich zeigen, wenn sie mit einem auf das Gegenüber deuten?
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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