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04. November 2014

Kommentar zum Lokführer-Streik: Die gefährliche Taktik der GDL

 Von 
GDL-Chef Claus Weselsky: Martialische Wortwahl, wenig ausgeprägte Bereitschaft zum Kompromiss.  Foto: dpa/Archiv

Erst kämpfen, dann reden? Mit neuen Streiks, Unnachgiebigkeit, und militanter Rhetorik bringt GDL-Chef Weselsky die Öffentlichkeit gegen die Lokführergewerkschaft auf. Dabei geht es um mehr: Weselskys Taktik ist gefährlich für das Land, vor allem, wenn sie von Erfolg gekrönt sein sollte.

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Die Stimmung kippt. Von dem Verständnis, dass viele Bahnkunden den Lokführern während der ersten Streiks entgegen brachten, ist mittlerweile nicht mehr viel übrig. Die Gewerkschaft GDL sieht sich stattdessen wachsendem Zorn ausgesetzt.

Dabei spielen nicht nur die Unannehmlichkeiten eine Rolle, von denen Millionen Bahnkunden durch die viertägigen Streiks von Mittwoch an betroffen sein werden. Auch die martialische Wortwahl des GDL-Chefs Claus Weselsky und seine wenig ausgeprägte Bereitschaft zum Kompromiss haben das anfängliche Wohlwollen breiter Bevölkerungskreise schwinden lassen.

Ende August verglich Weselsky seinen Arbeitgeber, die Deutsche Bahn AG, und die Schwestergewerkschaft EVG mit „zwei Kranken“, die sich miteinander ins Bett legten, wobei nur „was Behindertes raus“ kommen könne. Derart krasser Entgleisungen enthielt sich der Gewerkschaftsboss seither zwar, kriegerisch ist seine Rhetorik aber geblieben: Kompromissvorschläge der Bahn wischte der GDL-Hauptvorstand unter Weselsky  als „unannehmbares Tarifdiktat“ vom Tisch. Die Lokführer würden in die Nähe von Terroristen gerückt, er selbst sei Opfer einer „Hetzkampagne“, klagte Weselsky. Der Mann redet, als befände er sich im Krieg.

Offenkundig ist, dass Weselsky von seiner Kernforderung keinen Zentimeter preisgeben möchte. Sie lautet: Die GDL führt Tarifverhandlungen für alle ihre Mitglieder, seien sie nun Lokführer oder Zugbegleiter. Die EVG könne ja das Gleiche tun. Käme es so, gäbe es zwei gültige Tarifverträge mit unterschiedlichem Inhalt für die gleichen Berufsgruppen. Mit  abweichenden Arbeitszeiten und Schichtdiensten, Urlaubsansprüchen und Tarifgruppen. Weselskys Strategie  ist klar: Die GDL wird mit Lokführerstreiks und Kompromisslosigkeit bessere Verhandlungsergebnisse erzielen als die weniger konfrontative EVG. In der Folge erhielte die GDL Zulauf und damit mehr Macht.

Dieses Kalkül aber greift zu kurz,. Es geht nicht allein um ein paar tausend Lokführer und einen machthungrigen Gewerkschaftschef. Machte die GDL-Taktik Schule, würde innerhalb der Gewerkschaften ein Wettbewerb um die härteste Gangart und militanteste Wortwahl, um unerschütterliche Verhandlungspositionen und die vermeintlich besten Ergebnisse ausbrechen. Die Verlässlichkeit und Berechenbarkeit der deutschen Gewerkschaften wäre dahin, des käme zur Zersplitterung der Gewerkschaftslandschaft ,mit am Ende bösen Folgen für die Arbeitnehmer.

Auf der anderen Seite nämlich ist ein solches Szenario nicht nur für die Bahn, sondern für alle Unternehmen der blanke Horror: Ständig stünden mit irgendwelchen Kleingewerkschaften Tarifkonflikte, Streikdrohungen und Ausstände häuften sich, die unternehmerische Planungssicherheit wäre dahin. Und so käme es wohl zur Massenflucht der Betriebe aus der Tarifbindung. Das nicht wenig erfolgreiche deutsche Modell der Sozialpartnerschaft und Flächentarifverträge wären dahin. Konfrontation träte an die Stelle des Kompromisses.

Claus Weselsky sollte einen Blick über den Tellerrand wagen. Sonst erledigt er sich und seine GDL am Ende selbst.

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